Pressestimmen

INTES Unternehmer-Brief 1/2010

 

Auf ein Wort

 

Die Banken haben es in diesen Tagen nicht leicht. Ihr Beitrag zur Finanz- und Wirtschaftskrise ist noch nicht vergessen, die Diskussion um schärfere Regeln für Investmentbanking und eine wirksame Begrenzung ausufernder Boni wird mit unverminderter Intensität geführt und Amerikas Präsident Barack Obama hat eine Rückzahlung der geleisteten Staatshilfen gefordert ("We want our money back!"). Und als ob das nicht schon genug wäre, gibt es jetzt auch noch schlechte Noten für die Vermögensberatung. Und das zum wiederholten Male und völlig zu Recht. Die sogenannten Vermögensberater der Banken sind nämlich keine Berater, sondern Verkäufer. Sie handeln nicht im Interesse des Kunden, sondern ihres Dienstherren. Und sie werden von den Bankchefs durch eine Mischung aus Vergütungsanreizen und Druck dazu angehalten, das möglichst effektiv zu tun. Ein Kunde, der dies nicht erkennt, ist selber schuld.

 

Wer nicht bereit ist, für gute Leistung gutes Geld zu bezahlen, darf auch keine gute Leistung erwarten. Sätze wie "Wes' Brot ich ess', des' Lied ich sing'" und "Was nichts kostet, ist auch nichts" gehören zum Kernrepertoire des gesunden Menschenverstandes. Die Dienste bankenunabhängiger Vermögensberater sind deshalb nicht automatisch eine bessere Alternative. Solange die Berater mithilfe von "Kickbacks" und anderen Anreizen letztlich von den Banken bezahlt werden, sind auch sie faktisch nichts anderes als freie Mitarbeiter der Kreditinstitute.

 

Wir brauchen dringend mehr Ehrlichkeit in diesem Gewerbe. Interessenkonflikte müssen untersagt oder offengelegt werden. Wer nicht als Berater im Dienste des Kunden handelt, sollte sich auch nicht so nennen dürfen. Und die Kunden sollten endlich bereit sein, für gute Beratungsleistung gutes Geld zu zahlen – auch und gerade, wenn sie Unternehmer sind.

 

Herzlichst

Ihr Prof. Dr. Peter May